Immer wieder stelle ich fest, dass ich einen enormen Vorteil habe als Deutsche dieses Land zu besuchen. So half ich zum Beispiel Elisa, eine Italienerin, die ich sehr mag, eine Knorr-Tüten-Suppe zu zubereiten. Für mich ist es in etwa so als müsste ich eine extreme deutsche Mundart, die in Lautschrift geschrieben ist, identifizieren. Elisa rührte die Suppe an und meinte nach einer Weile: ''It smells strange.'' Ich schaute nochmal auf die Packung auf der 'Fisksoppa' stand. Ich: ''Do you know it is fish soup!?'' Daraufhin sagte sie, sie würde mich in Zukunft zum Einkaufen mitnehmen.
Auch der Schwedisch-Unterricht ist für mich eher öde, wenn eine halbe Stunde die Aussprache des 'u's (entspricht dem deutschen 'ü') und des 'ä's und des 'ö' geübt wird.
Ansonsten hatte ich noch keine weiteren Veranstaltungen, da diese erst ab Woche 37 oder 38 anfangen (wenigstens habe ich nun endlich die Bewerbungs-Bestätigung bekommen). Es gab für alle Internationalen Studenten drei Pflicht-Vorlesungen mit dem Thema 'Introduction to a Swedish University', die allesamt von Nicht-Schweden gehalten wurden. Daran ist ja nichts Verwerfliches nur, sobald sie beginnen uns die Schwedische Mentalität nahezubringen hört der Spaß auf. Während es in dem ersten Vorlesungen noch um die grundlegenden Dinge zum Thema Studieren ging (natürlich alles Dinge, die Studenten, die bereits mindestens ein Jahr studieren noch nicht wissen...AVOID PLAGIARISM!!!), setzte die aus Russland stammende Dame mit zwei Söhnen und einem Schwedischen Mann, welche schon elf Jahre in Schweden lebt und uns über Schwedische Schweden aufzuklären versuchte, dem Ganzen die Krone auf.
Am Ende von Albina Pashkevichs Biografie-Vortrag flüchtete ich empört und aufgebracht aus dem Saal. Sie tischte uns ein Klischee und Stereotypen nach dem anderen auf und beteuerte nebenbei immer wieder, dass es natürlich keine Verallgemeinerungen gäbe.Die Zusammenfassung über die Schwedische Gesellschaft und Punkte an die man sich halten sollte um in der Gesellschaft klarzukommen sehen in etwa so aus:
+ Schweden reden nicht. Niemals - auch nicht mit Menschen.
+ setze dich niemals, niemals(!) im Bus neben einen Schweden und falls es aus Platzmangel doch einmal notwendig sein sollte, bitte niemals ansprechen - sie würden dich töten!
+ mindestens 10 m Abstand zu einem Schweden - er würde dich töten!
+ Schweden haben nie Zeit, weil sie ihre roten Holzhäuser streichen müssen.
+ Iss Fleisch!
+ Trink Schnaps!
+ Sammel Pilze und Beeren (worauf sie sie meinte, dass Italiener das ja nicht kennen, was die Italiener mit heftigen Kopfschütteln abstritten)!
+ lerne 'Fika' (Kaffeeklatschhalten) und natürlich einen eigenen Kuchen zu backen (allerdings ist es ja auch egal, weil Schweden ja total sozial uninteressiert sind und eh nicht zu dir zum Kaffee kommen würden.)
+ immer (!) pünktlich sein - komme zu spät und sie töten dich!! (Schwedischlehrerin kam 10 Minuten nach Unterrichtsbeginn. Italiener trudeln nach mindestens nach eine halben Stunde in die Klasse)
+ forget about friendship!!
Evelyn und ich waren am Sonntag im Wald spazieren und kamen irgendwann nach abenteuerlichen Wegen an einer Strasse raus: Falun 6 (km). Aber der See war schön an dem wir zurück gewandert sind.
Wir beide sind schon voll auf dem 'Fika'-Trip und verschlingen 'Kladdkaka' - der leckerste Schokoladenkuchen den ich je gegessen habe - mit 'Grädde' und 'Hallon' en masse.
Aber um der Gewichtszunahme entgegenzuwirken, habe ich mich für Pilates etc. (50 Euro von August bis Dezember und ich kann alle ca. 20 Gymnastik-Kurse besuchen) angemeldet. Die Dame war sehr gesprächig (ist sie wirklich eine Schwedin???) und plapperte plötzlich auf Italienisch, da ich mit einer Gruppe von Italienerinnen dort ankam. Auch mich sprach sie auf Italienisch an und ich nur verlegen: ''non italiano! German...'' Sie: ''Ah, ich kann auch Deutsch sprechen.'' Den Kurs hat sie trotzdem auf Schwedisch gehalten und ich habe mir den Nacken verrengt um mitzubekommen, welche Übungen ich ausführen soll.
Ich hab jetzt eine Zimmerpflanze. Jetzt fühle ich mich heimischer. Bei H&M war ich auch schon (Nein, es ist kein anderes oder cooleres oder hipsterigers Angebot als in Deutschen H&M-Läden).
Second Hand Läden haben ganz viel Kram, der überaus dazu geeignet ist seine Wohnung trashig einzurichten (beinahe hätte ich einen Original 'Yoko Ono John Lennon'-Button in Herzform für 99 Kronor (10 Euro) gekauft sowie eine alte Keksdose).
Irgendwie ist in Schweden alles niedlich!
Am Sonntag findet ein International Dinner statt. Ich werde Zwiebelkuchen zubereiten, da ich unfähig bin Klöße herzustellen.
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