Freitag, 9. September 2011

after two and a half week...

Immer wieder stelle ich fest, dass ich einen enormen Vorteil habe als Deutsche dieses Land zu besuchen. So half ich zum Beispiel Elisa, eine Italienerin, die ich sehr mag, eine Knorr-Tüten-Suppe zu zubereiten. Für mich ist es in etwa so als müsste ich eine extreme deutsche Mundart, die in Lautschrift geschrieben ist, identifizieren. Elisa rührte die Suppe an und meinte nach einer Weile: ''It smells strange.'' Ich schaute nochmal auf die Packung auf der 'Fisksoppa' stand. Ich: ''Do you know it is fish soup!?'' Daraufhin sagte sie, sie würde mich in Zukunft zum Einkaufen mitnehmen.

Auch der Schwedisch-Unterricht ist für mich eher öde, wenn eine halbe Stunde die Aussprache des 'u's (entspricht dem deutschen 'ü') und des 'ä's und des 'ö' geübt wird.

Ansonsten hatte ich noch keine weiteren Veranstaltungen, da diese erst ab Woche 37 oder 38 anfangen (wenigstens habe ich nun endlich die Bewerbungs-Bestätigung bekommen). Es gab für alle Internationalen Studenten drei Pflicht-Vorlesungen mit dem Thema 'Introduction to a Swedish University', die allesamt von Nicht-Schweden gehalten wurden. Daran ist ja nichts Verwerfliches nur, sobald sie beginnen uns die Schwedische Mentalität nahezubringen hört der Spaß auf. Während es in dem ersten Vorlesungen noch um die grundlegenden Dinge zum Thema Studieren ging (natürlich alles Dinge, die Studenten, die bereits mindestens ein Jahr studieren noch nicht wissen...AVOID PLAGIARISM!!!), setzte die aus Russland stammende Dame mit zwei Söhnen und einem Schwedischen Mann, welche schon elf Jahre in Schweden lebt und uns über Schwedische Schweden aufzuklären versuchte, dem Ganzen die Krone auf.

Am Ende von Albina Pashkevichs Biografie-Vortrag flüchtete ich empört und aufgebracht aus dem Saal. Sie tischte uns ein Klischee und Stereotypen nach dem anderen auf und beteuerte nebenbei immer wieder, dass es natürlich keine Verallgemeinerungen gäbe.

Die Zusammenfassung über die Schwedische Gesellschaft und Punkte an die man sich halten sollte um in der Gesellschaft klarzukommen sehen in etwa so aus:

+ Schweden reden nicht. Niemals - auch nicht mit Menschen.

+ setze dich niemals, niemals(!) im Bus neben einen Schweden und falls es aus Platzmangel doch einmal notwendig sein sollte, bitte niemals ansprechen - sie würden dich töten!

+ mindestens 10 m Abstand zu einem Schweden - er würde dich töten!

+ Schweden haben nie Zeit, weil sie ihre roten Holzhäuser streichen müssen.

+ Iss Fleisch!

+ Trink Schnaps!

+ Sammel Pilze und Beeren (worauf sie sie meinte, dass Italiener das ja nicht kennen, was die Italiener mit heftigen Kopfschütteln abstritten)!

+ lerne 'Fika' (Kaffeeklatschhalten) und natürlich einen eigenen Kuchen zu backen (allerdings ist es ja auch egal, weil Schweden ja total sozial uninteressiert sind und eh nicht zu dir zum Kaffee kommen würden.)

+ immer (!) pünktlich sein - komme zu spät und sie töten dich!! (Schwedischlehrerin kam 10 Minuten nach Unterrichtsbeginn. Italiener trudeln nach mindestens nach eine halben Stunde in die Klasse)

+ forget about friendship!!


Ich habe alle Informationen, die ich bisher von der Schwedischen Mentalität - aufgeschlossen, freundlich, locker, lässig - mitgeteilt bekommen habe über Bord geworfen und ich werde mein Einsiedlerleben voll auskosten. Ich mag auch keine Menschen.

Evelyn und ich waren am Sonntag im Wald spazieren und kamen irgendwann nach abenteuerlichen Wegen an einer Strasse raus: Falun 6 (km). Aber der See war schön an dem wir zurück gewandert sind.

Wir beide sind schon voll auf dem 'Fika'-Trip und verschlingen 'Kladdkaka' - der leckerste Schokoladenkuchen den ich je gegessen habe - mit 'Grädde' und 'Hallon' en masse.

Aber um der Gewichtszunahme entgegenzuwirken, habe ich mich für Pilates etc. (50 Euro von August bis Dezember und ich kann alle ca. 20 Gymnastik-Kurse besuchen) angemeldet. Die Dame war sehr gesprächig (ist sie wirklich eine Schwedin???) und plapperte plötzlich auf Italienisch, da ich mit einer Gruppe von Italienerinnen dort ankam. Auch mich sprach sie auf Italienisch an und ich nur verlegen: ''non italiano! German...'' Sie: ''Ah, ich kann auch Deutsch sprechen.'' Den Kurs hat sie trotzdem auf Schwedisch gehalten und ich habe mir den Nacken verrengt um mitzubekommen, welche Übungen ich ausführen soll.

Ich hab jetzt eine Zimmerpflanze. Jetzt fühle ich mich heimischer. Bei H&M war ich auch schon (Nein, es ist kein anderes oder cooleres oder hipsterigers Angebot als in Deutschen H&M-Läden).

Second Hand Läden haben ganz viel Kram, der überaus dazu geeignet ist seine Wohnung trashig einzurichten (beinahe hätte ich einen Original 'Yoko Ono John Lennon'-Button in Herzform für 99 Kronor (10 Euro) gekauft sowie eine alte Keksdose).

Irgendwie ist in Schweden alles niedlich!

Am Sonntag findet ein International Dinner statt. Ich werde Zwiebelkuchen zubereiten, da ich unfähig bin Klöße herzustellen.

Donnerstag, 1. September 2011

Second Week

Nach dieser tollen ERASMUS-Erfahrung hab ich mir geschworen solche Events zu meiden.

Am Montag, 29. August, war allgemeiner Begrüßungstag für alle Studenten. Das war genauso langweilig wie in Deutschland. Später veranstaltete die 'Student Union' (meiner Meinung nach eine Art Burschenschaft) einen Stadtrundgang, der - wie soll man sagen - quiet senseless war. Sie zeigten uns, wo man den 'harten' Alkohol kaufen kann (für all die tollen 'Student Union' Partys), was alle schon wussten, die Stadtbibliothek, was auch alle schon wussten, das Kino, das arschteuer ist (10 Euro), und einen Second Hand Shop, der doch sehr nützlich ist. Am Ende zeigten sie uns das 'Student Union House'. Da kommt man aber nur rein, wenn mein einmalig etwa 100 SEK (ca. 10 Euro) und monatlich etwa 300 SEK an die Vereinigung zahlt. Für was man da eigentlich bezahlt ist mir ehrlich gesagt ein ziemliches Rätsel, weil außer Partys macht diese Union gar nüschts (und da muss ich mir den teuren Alkohol trotzdem selber kaufen).

Am Dienstag hatte ich meine erste Schwedisch-Stunde. Die war relativ easy peasy, weil ich ja schon im ersten Semester einen Kurs gemacht hatte. Aber es ist trotzdem eine gute Wiederholung.

'Vad heter du?' 'Jag heter Marie' 'Varifrån är du?' 'Jag är från Tyskland' 'Vad studerar du?' 'Jag studera konst historia.'

Ich musste ein paar Kurse wechseln, weil die Kurse, die ich gewählt hatte alle auf schwedisch gehalten werden. Leider waren das die Kurse, die ich hätte einbringen können in mein Studium. Nun warte ich auf die Zusage zu den Kursen: Introduction to Swedish Culture and Society; The Swedish Education System und Writing a Undergraduate Essay in English.

Aber hier geht alles sehr langsam und relaxt von statten, deshalb weiß ich trotz Studienbeginns nicht bescheid.

Am Mittwoch wurde ich von den Italienern zum Barbecue am See eingeladen. Das war sehr nett. Obwohl ich schon vorher gegessen hatte, drückte mir alle Nase lang jemand einen Wiener im Milchbrötchen mit Senf in die Hand, das ich runterwürgte. Übrigens sagen alle dazu 'Wuerstchen', ob Italiener oder Südafrikaner. Der Südafrikaner, der ebenfalls da war, ist der erste Freemover den ich kennenlernte. Er hat meine Sätze immer wieder fröhlich wiederholt.

Etwa so:

Ich: 'I don't like football.'

Er : 'Oh, you don't like football. So do you like any other sport?' (wild gestikulierend)

Ich: 'I don't like to watch Sports at TV.'

Er: 'Because you don't like to watch Sports at TV. Ok!'

So in etwa und so fort...

Tja, und dann habe ich mich doch breitschlagen lassen am Abend mit in das 'Student Union House' zu kommen (eine Woche für jeden freier Eintritt). Fazit: Um 20 Uhr los, 30 Minuten Walk, 22 Uhr Establishment verlassen und auf dem Gepäckträger von Leidesgenosse Robert nach Hause gefahren. Ich habe alle Ersti-Partys, die ich versäumt habe, damit wieder gut gemacht...

Ich hoffe, dass es hier irgendwo noch eine coole Location mit cooler Mucke und coolen Leuten zu finden ist oder aber ich sollte meinen Anspruch runtersetzen und einsehen, dass selbst Weimar besseres zu bieten hat.

Übrigens klingt hier alles ziemlich negativ angehaucht, aber mir gefällt es hier. Das möchte ich betonen! Nur die Eingewöhnungsphase ist ziemlich lang.