So, gestern war die erste ERASMUS-Party. Ich habe mich davor ein wenig gefürchtet, weil ich das so schrecklich überzogen finde, diese ''yeah, wir sind so cool, weil wir im Ausland studieren''-Euphorie. Es ist einfach nicht so mein Ding über alle Korridore zu rennen und jedem meine Hand hinzustrecken und auf Krampf Leute kennenzulernen. Zumal ich mir eh die Namen nicht merke. Da warte ich lieber die Seminare ab.
Jedenfalls traf sich der Großteil zuerst auf Floor D-Up. Es war eine ganz nette Atmosphäre eigentlich. Ich fühl mich dabei zwar immer Unwohl, wenn man alleine rumsteht und an seinem Getränk rum nuckelt, aber was solls. Dann gingen alle in den ''Party-Keller'', wo die Party a la Klassenfahrt Jugendherberge Disco stattfand. Ein dicker 'DJ', der schreckliche Mainstream-Kacke abspielte, die dann aus den viel zu kleinen Boxen schrie. Die paar Schweden, die hier ebenfalls wohnen gingen voll ab, während der Rest mehr oder weniger unbeholfen versuchte Stimmung zu machen. Ich stand mit einem schüchternen Franzosen und einem Metaller aus Augsburg an der Wand und waren der Meinung, dass eindeutig zu wenig Alkohol da war um das zu ertragen (ich hatte mir 2,1% light beer gekauft). Nachdem ich gut eine Stunde so verharrte, ging ich rauf in mein Zimmer und überlegte, ob ich mir das wirklich weiter antat oder ob ich einfach schlafen gehe. Ich entschloss mich es noch einmal zu versuchen und auf dem Flur traf ich meine Nachbarin, die mir kurzer Hand erklärte, dass jetzt alle in die Stadt gehen, um einen Club aufzusuchen. So trabten alle los.
Bei dem Club angekommen, stellte sich heraus, dass der Eintritt etwa 8 Euro kostete und dort aber nur 14-15 Jährige rumhoppelten. Die Gruppe splittete immer mehr auf. Ich lief einem Spanier hinterher, der wusste, wo man schön Bier trinken konnte. Unter dieser Gruppe befand sich auch ein Einheimischer. Als wir bei dem Pub ankamen (eine Art Biergarten), stellte sich heraus (irgendwie immer erst bei der Ankunft), dass der Eintritt 4 Euro betrug. Also man bezahlt hier Eintritt, um dann wieder Geld für Bier auszugeben. Naja, den meisten war das zu doof und liefen zurück zu 'Britsen'. Dabei hatte der Schwede schon mit den Besitzern verhandelt, dass jeder zweite nur bezahlen brauchte. Ich blieb da. Mit einer Französin, einem Franzosen, dem Schweden und dem Spanier aus Barcelona (was ja nicht Spanien ist...), der schon anderthalb Jahre in Falun lebt. Den ganzen Abend brüllte er Parolen, wie toll doch Falun sei und dass Falun 'is real Sweden'. ''Welcome to Sweden'' ist wohl auch sein Lieblingssatz. Er ging mir ein bisschen auf die Nerven, aber das ist wohl das bekanntliche spanische Temperament. Um zwei schließen alle Pubs und Clubs. Der Spanier eröffnete uns, dass es üblich ist die Party bei jemanden zu Hause fortzuführen. Also gingen wir zu dem Schweden nach Hause. Eine kleine nach gammligen Käse riechende Bude, deren Einrichtung aus rumliegenden Klamotten, Essensresten, Krone-Münzen bestand. Außerdem beherbergt der junge Schwede eine Menge DVDs, Games und eine beachtliche Sammlung an leeren Jack Daniels-Flaschen. Auf die Frage, ob er Alkohol an zu bieten hat, antwortet er nach kurzen Überlegen: ''Some.'' Was er dann auf dem vollgemüllten Couchtisch ausbreitete war ein halber Schnapsladen. Wodka, Jägermeister, Tequila, Wein, Bier und was das Herz bergehrt. Ich nahm mir ein Dalarna-Bier, was wirklich eklig schmeckte.
Der Spanier nervte mich, in dem er mir bescheuerte Fragen stellte, warum ich kein Fußball mag und wie das denn für mich wäre Deutsche zu sein und bla bla. Am Ende setzte er der Diskussion eine Krone auf, in dem er ein Lobgesang auf Deutschland aussprach: ''Ihr Deutschen. Ich bin so beeindruckt und stolz auf euch. Ihr habt zwei Weltkriege hinter euch und die Mauer und nun seit ihr eines der führenden Länder in ganz Europa.'' Ich nickte halb bescheiden, halb sprachlos. Mir war diese Auseinandersetzung einfach zu wider. Der Schwede antwortete darauf nüchtern: ''Ja, was mich allerdings an den Deutschen stört ist, dass ihr alle Filme synchronisieren müsst.''
Bald schaukelte die Französin nach fünf Glasern Wodka-Sprite zu mir herüber und verlangte den Heimweg anzutreten. Das befürwortete ich sehr. Um fünf Uhr morgens. Es war hell, aber eher so wie wenn im Herbst die Sonne abends untergeht. Während der Franzose und ich raschen Marsches voran schreiteten, torkelten die beiden anderen langsam hinterher.
Fazit: ERASMUS stinkt irgendwie, aber andererseits gibt es auch nette Leute mit denen man einen netten Abend verbringen kann. Es nur wichtig, dass man sich von der Masse wegbewegt. Deshalb vermeide ich in Zukunft schlechte 'Britsen'-Partys und gehe lieber stattdessen, mit Gleichgesinnten in die teuren Pubs of Falun.
Nächste Woche beginnt endlich die Uni.